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Aktuelles aus der Beratung für 24-Stunden-Betreuungskräfte aus Polen

Agnieszka Skwarek, Karolina Potocka, Tomasz Wiciak

Mai 2021

Mehrere Hunderttausend meist weibliche und aus osteuropäischen Ländern kommende häusliche Betreuungskräfte kümmern sich um ältere Menschen in Deutschland und wohnen dabei in deren Privathaushalten. Aufgrund illegaler Beschäftigungsverhältnisse und dubioser Beschäftigungsmodelle mit intransparenten Stellenbeschreibungen sowie hoher Fluktuation der Arbeitseinsätze ist die genaue Anzahl der sog. „Live-Ins“ schwer erhebbar. Niedrige Entlohnung – weit unter dem Mindestlohn, Unsicherheit bezüglich der Weiterbeschäftigung, fehlender Krankenversicherungsschutz, sowie Übernahme von pflegerisch-medizinischen Aufgaben, die für Fachkräfte vorbehalten sind, führen zu starken Ängsten über die eigene rechtliche Position bei der Zielgruppe und begründen eine besonders starke Bedrohung von prekären und ausbeuterischen Sachverhalten.

Die seit März 2020 geltenden strengen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie haben weitgehende Auswirkungen auf das Leben und Arbeiten von polnischsprachigen 24-Stunden-Betreuungskräften in deutschen Privathaushalten. Die eindeutige Nennung der Tätigkeit der 24-Stunden-Betreuungskräfte in den Verordnungen auf Länderebene als unabdingbar für die Aufrechthaltung der Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens hat der Zielgruppe mehr Sichtbarkeit und Anerkennung gegeben. Nichtsdestotrotz führten die unsicheren und problematischen Arbeitsmodelle sowie die anfangs fehlenden bundeseinheitlichen Quarantäne- und Einreisebestimmungen zu einer Verunsicherung der Betroffenen, z.B. im Bereich der Ausnahme von der Quarantänepflicht, des Zugangs zur Impfung sowie zum Gesundheitsschutzsystem und der pandemiebezogenen Sonderleistungen.

Innerhalb der Themenfelder des Beratungsschwerpunktes ist eindeutig erkennbar, dass Einreisebeschränkungen und Quarantäne die meistdiskutierten Themen zwischen den polnischsprachigen Live-Ins darstellen. Durch die Reise- und Kontaktbeschränkungen ist die soziale Isolierung zum noch schwereren Problem für die Betreuungskräfte geworden. Dadurch sind zusätzliche psychische Belastungen und erhöhter Druck entstanden, die mit den prekären Arbeitsbedingungen in Zusammenhang stehen. Die Corona-bedingte Verlagerung des Kommunikations- und Austauschortes der Zielgruppe der polnischsprachigen Betreuungskräfte in die sozialen Medien, sowie die wachsende Reputation des Beratungsteams bei der Zielgruppe der polnischsprachigen Live-Ins spiegeln sich in der erhöhten Anzahl von gestellten Fragen wider.

Auf Wunsch der EU-Gleichbehandlungsstelle im Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration unterstützt das Modellprojekt „Migrationsberatung 4.0 – Gute Arbeit in Deutschland“ durch aufsuchende Beratung sowie kompetente und ortsunabhängige Informationsbeschaffung in sozialen Medien seit Juli 2019 polnischsprachige und seit Juni 2021 auch bulgarisch-, kroatisch-, rumänisch-, tschechisch- und slowakischsprachige Betreuungskräfte bei der Inanspruchnahme ihrer Rechte.

Dieser Bericht stellt eine Aktualisierung des Zwischenberichts vom September 2020 dar und fasst die aktuellen Daten des Projekts bis Mai 2021 zusammen. Es handelt sich weiterhin um eine vorläufige Fassung, welche jedoch im Laufe der Projektarbeit um die gewonnenen Erkenntnisse und entsprechend regelmäßig aktualisiert und angepasst wird.

Diese Publikation wurde im Rahmen des Projektes Migrationsberatung 4.0 veröffentlicht.

Das Projekt wird von der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert.