EU-Bürgerinnen und EU-Bürger in Berlin

Interaktive Grafiken zur Entwicklung und Verteilung der EU-Zuwanderung

Maëlle Dubois, Mai 2019

Unter Verwendung der Statistik des Melderegisters analysiert Minor das vierte Jahr in Folge die Entwicklung der Bevölkerung aus der Europäischen Union in Berlin sowie ihre Verteilung auf die verschiedenen Bezirke und Stadtteile.

Zur mobilen Version der interaktiven Grafiken (ohne Text) klicken Sie bitte hier.

Bevölkerungsboom in der Hauptstadt dank Zuwanderung

Zugewanderte machen zunehmend einen wichtigen Teil der Berliner Bevölkerung aus. Zum Ende des Jahres 2018 besaß ein Fünftel der Berlinerinnen und Berliner nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr als 284.000 nicht deutsche EU-Bürgerinnen und EU-Bürger und knapp 464.500 Drittstaatsangehörige wohnten in der deutschen Hauptstadt – ohne dass Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit dazu gezählt werden

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in Berlin gemeldeten Deutschen, EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern sowie Drittstaatsangehörigen zum 31.12.2018

Innerhalb von zehn Jahren ist die Berliner Bevölkerung um 11,5% auf 3.748.148 Personen angewachsen. Diese Entwicklung ist zu knapp drei Vierteln auf den Zuzug von Menschen ohne deutschen Pass zurückzuführen. Seit 2008 sind zweimal mehr Menschen ohne als mit deutsche(r) Staatsangehörigkeit nach Berlin zugezogen. Während die Anzahl der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit seit 2008 lediglich um 4 % gestiegen ist, belief sich der Anstieg für Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf 59,2 %.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in Berlin gemeldeten deutschen und nicht deutschen Staatsangehörigen von 2008 bis 2018 (Stichtag jeweils 31.12.)

EU-Bürgerinnen und EU-Bürger sind vor allem seit 2010 verstärkt nach Berlin zugewandert. Seit 2008 ist ihre Anzahl um 82,6% gestiegen. Die Zuwanderung von Drittstaatsangehörigen ist seit 2014 intensiver geworden. Seit 2008 ist ihre Anzahl um 47,7% gestiegen.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in Berlin gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern sowie Drittstaatsangehörigen von 2008 bis 2018 (Stichtag jeweils 31.12.)

Mehr als 80% der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger kommen aus zehn Mitgliedstaaten. Polinnen und Polen machen dabei bei weitem die größte Gruppe aus. Menschen aus Bulgarien und Kroatien sind im Vergleich zu der Bevölkerungsgröße ihres Herkunftslandes besonders stark vertreten.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in Berlin gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit zum 31.12.2018

Der Zuwachs einiger Communities sticht besonders hervor: Während die Anzahl der Personen aus Polen „nur“ um 33 % gestiegen ist, lässt sich bei Menschen aus Rumänien (+ 518 %) und Bulgarien (+ 310,7 %) sowie aus den baltischen Ländern (+ 170 %) eine rasante Entwicklung beobachten. Die Communities aus Italien, Spanien und Portugal haben sich verdoppelt. Die niederländische Community ist um mehr als 76 % gewachsen und die Anzahl der Personen aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Griechenland ist im Schnitt jeweils um die Hälfte gestiegen.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in Berlin gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit von 2008 bis 2018 (Stichtag jeweils 31.12.)

Ballung in der Innenstadt

Im Vergleich zu den Berlinerinnen und Berlinern mit deutschem Pass konzentrieren sich Zugewanderte deutlicher in der Innenstadt: Rund 40 % von ihnen wohnen in den Bezirken Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Seltener als Deutsche wohnen sie in östlichen Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf oder Treptow-Köpenick. In Lichtenberg sind EU-Bürgerinnen und EU-Bürger auch weniger vertreten als Drittstaatsangehörige.

Verteilung der in Berlin gemeldeten Deutschen, EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern sowie Drittstaatsangehörigen auf die Bezirke (in % der jeweiligen Gruppe) zum 31.12.2018

Schaut man sich die Verteilung innerhalb bestimmter Bezirke an, so wird deutlich, dass diese Ballung in der Innenstadt auf EU-Bürgerinnen und EU-Bürger noch stärker zutrifft als auf Drittstaatsangehörige. Jeder Bezirk ist noch einmal untergliedert in verschiedene Stadteile. EU-Bürgerinnen und EU-Bürger wohnen dabei jeweils vermehrt in den Stadtteilen eines Bezirkes, die zentraler gelegen sind – also häufiger im Prenzlauer Berg als in den anderen Pankower Stadtteilen, in Schöneberg öfter als in Tempelhof. Die Stadtteile mit den höchsten Anteilen an EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern sind der Wedding, Nord-Neukölln und Charlottenburg.

Verteilung der in Berlin gemeldeten Deutschen, EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern sowie Drittstaatsangehörigen auf die Stadtteile (in % der jeweiligen Gruppe) zum 31.12.2018

Zwischen den verschiedenen EU-Communities bestehen jedoch deutliche Unterschiede im Hinblick auf ihre Verteilung auf die Bezirke und Stadtteile. Zugewanderte aus älteren Mitgliedstaaten (z. B. Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich) konzentrieren sich deutlich stärker in der Innenstadt (Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf) als diejenigen aus den Mitgliedstaaten der EU-Osterweiterung (Bulgarien, Rumänien und baltische Ländern), die hingegen in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Spandau stärker vertreten sind. Communities, die schon vor 2008 stark in Berlin vertreten waren – Menschen aus Kroatien, Griechenland oder Österreich – leben häufig im Westen Berlins. Innerhalb der Bezirke (siehe interaktive Grafik unten) sind Zugewanderte aus älteren Mitgliedstaaten in innerstädtischen Stadtteilen wie Mitte oder Prenzlauer Berg stärker präsent. Weniger stark vertreten sind sie in Stadtteilen wie Tempelhof oder Süd-Neukölln, wo mehr Personen aus Bulgarien, Rumänien und Kroatien aber auch aus Griechenland leben.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in den Berliner Bezirken gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit zum 31.12.2018

Seit 2008 ist die überwältigende Mehrheit der Zugewanderten aus älteren Mitgliedstaaten in die Innenstadt gezogen, sodass Personen aus Italien und Frankreich mittlerweile die polnische Community in Friedrichshain-Kreuzberg überholt haben. Auch in den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg bilden sie die größten EU-Communities (siehe interaktive Grafik unten). Menschen aus Bulgarien und Rumänien sind deutlich mehr als andere Zugewanderte in Stadtviertel direkt außerhalb des S-Bahn-Ringes (den Wedding, Reinickendorf, Lichtenberg) und in an Brandenburg angrenzende Stadtteile (Spandau, Marzahn, Hellersdorf) gezogen.

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in den Berliner Bezirken gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit von 2008 bis 2018 (Stichtag jeweils 31.12.)

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in den Berliner Stadtteilen gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit zum 31.12.2018

Anzahl und Anteil an der Gesamtbevölkerung der in den Berliner Stadtteilen gemeldeten EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern nach Staatsangehörigkeit von 2008 bis 2018 (Stichtag jeweils 31.12.)

Kontakt:

Maëlle Dubois
m.dubois@minor-kontor.de

Diese Analye wurde im Rahmen des Projektes „Gute Arbeit in Berlin“ veröffentlicht.

Das Projekt wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert.