Forschung und Praxis in der Freiwilligenarbeit

Potenziale zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe in der Geflüchtetenarbeit

Mit der Zuwanderung geflüchteter Menschen nach Deutschland geht ein verstärktes freiwilliges Engagement im Bereich Flucht und Asyl einher. Zunächst auf die Nothilfe fokussiert, unterstüzen freiwillige Helferinnen und Helfer mit und ohne Fluchterfahrung Geflüchtete heute auf ihrem Weg zu umfassender gesellschaftlicher und politischer Teilhabe. Auch besteht ein zunehmendes Interesse der Forschung sowohl an den Lebenslagen geflüchteter Menschen als auch an der Arbeit der Ehrenamtlichen und deren Wirkung auf die einzelnen Menschen und die Gesellschaft.

Bedarf nach Erfahrungsaustausch

Der Wunsch, die Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis zu vergleichen und zu diskutieren, besteht sowohl im freiwilligen Engagement als auch in der auf sie gerichteten Forschung. Mit dem Fachaustausch verfolgen wir das Ziel, einen vielstimmigen Erfahrungsaustausch anzustoßen, in dem Forschende und Aktive Zwischenergebnisse ihrer Tätigkeit vorstellen und in gemeinsamen Diskussionen auswerten können. Zwischen Vertreterinnen und Vertretern von Geflüchteten- und Migrantenselbstorganisationen, Stiftungen, Forschungseinrichtungen sowie Projekten und Strukturen im Bereich Flucht und Asyl entsteht so ein wechselseitiger Lernprozess.

Gesellschaftliche Teilhabe verwirklichen

Die Teilnehmenden tauschen sich zu zahlreichen unterschiedlichen Themen aus. Im Fokus stehen Fragen der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe geflüchteter Menschen sowie von freiwillig Engagierten mit und ohne eigene Fluchterfahrung. Die gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere nicht nur von Geflüchteten zu verbessern, wird als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe diskutiert. Voraussetzung für deren Verwirklichung sind interkulturelle Offenheit und institutionelle Durchlässigkeit gegenüber bisher unterrepräsentierten Menschen. Migrantenorganisationen können dafür als „Türöffner“ dienen.

Hauptamtliche und Ehrenamtliche brauchen einander

Ehrenamtliche und Freiwillige können häufig von der Unterstützung und Koordinierung durch Hauptamtliche profitieren. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, bei Freiwilligen nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, von staatlichen Institutionen lediglich verwaltet zu werden, wenn bspw. zivilgesellschaftlich Engagierte in starre Verwaltungsstrukturen und –abläufe integriert werden und so Eigeninitiative ausgebremst wird. Stattdessen sollte die Eigenlogik des Engagements gewahrt werden.

Die Rolle der freiwillig Engagierten

Freiwillige sind oft (aber nicht immer) „natürliche Verbündete“ geflüchteter Menschen. Sie bieten nicht nur sachliche Hilfe, sondern auch Zeit, privaten Umgang, Vertrauen und Freizeitaktivitäten – Begegnungen ohne Ziel. Trotzdem kann Freundschaft kein Anspruch freiwilligen Engagements sein. Wichtig ist vielmehr, auf der einen Seite Räume für private Begegnung zu schaffen, aber auf der anderen Seite auch eine professionelle Distanz zu wahren. Daraus ergibt sich jedoch ein Spannungsverhältnis, da es nicht leicht ist, beide Rollen voneinander zu trennen.

Datum:

23.09.2016

Ort:

Minor, Alt-Moabit 73, 10555 Berlin

Kontakt:

Tanja Berg
t.berg@minor-kontor.de

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes „Perspektive Teilhabe“ statt.

Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert Bosch Stiftung gefördert.

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