Vortrag von Prof. Dr. Omar Kamil: Verknüpfte Erinnerungen. Narrative von gestern für Deutsche von morgen (33:35 Min)

Prof. Dr. Omar Kamil im Gespräch mit Sina Arnold: Q&A (49:55 Min)

Vortrag mit Gespräch: Verknüpfte Erinnerungen

Narrative von gestern für Deutsche von morgen

Prof. Dr. Omar Kamil, Dr. Sina Arnold, Dezember 2020

Deutschland beheimatet als Einwanderungsland Menschen mit unterschiedlichen Geschichtserfahrungen und – daraus folgend – Erinnerungskulturen. Das stellt Gesellschaft und Politik vor außerordentliche Herausforderungen.

In seinem Vortrag stellt der Historiker Prof. Dr. Omar Kamil seinen transkulturellen Ansatz zum Umgang mit Erinnerungsnarrativen in einer (post-)migrantischen Gesellschaft vor. Im anschließenden Gespräch mit Dr. Sina Arnold und anhand von Fragen aus dem Publikum vertieft Omar Kamil seine Gedanken zur Anerkennung von Narrativen und Erinnerungskonkurrenzen.

Ausgangsfrage des Vortrags ist, ob verschiedene Narrative zu Holocaust, Kolonialismus und Nakba jenseits von Konflikten und Konkurrenzen in einem Raum stehen können. Omar Kamil plädiert für eine Offenheit gegenüber anderen Narrativen. Der national-historische Rahmen für eine Erinnerungskultur werde von einem transnationalen Rahmen abgelöst, wodurch „Streitfragen“ an sensiblen Punkten, wie der Erinnerung an den Holocaust und der Bestimmung von Antisemitismus, entstünden. Deutschland brauche eine neue Erinnerungskultur, die zum Ziel habe, die Bedeutung des Holocaust zu bewahren und diesen zugleich in einen Zusammenhang mit anderen Narrativen zu stellen.

Im anschließenden Gespräch mit Sina Arnold geht Omar Kamil auf weitere Aspekte von Erinnerung und der Funktion von Narrativen sowie auf pädagogische Strategien ein.

Ein besonderer Fokus der Fragen aus dem Publikum liegt auf dem pädagogischen Umgang mit Narrativen zum Holocaust und zur Nakba. Eine angemessene Reaktion liege im Zuhören und Verstehen der Motivation, wenn eine Vergleichbarkeit von Menschenrechtsverbrechen geäußert werde. Omar Kamil empfiehlt den Blick auf wissenschaftliche und pädagogische Ansätze in Israel im Umgang mit dem Verhältnis von Holocaust und Nakba. Dort werde freier mit dem Konflikt um Erinnerungsnarrative umgegangen. Eine Tabuisierung von Vergleichen sei nicht zielführend.

Die Videos sind eine Aufzeichnung der Veranstaltung Verknüpfte Erinnerungen im Rahmen der Ausstellung Tür an Tür – Syrisch-Jüdische Geschichte(n) des Projekt Der Gang der Geschichte(n). Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung / Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Kontakt:

Tanja Lenuweit
T.Lenuweit@minor-kontor.de

Dieser Vortrag wurde im Rahmen des Projektes Der Gang der Geschichte(n) veröffentlicht. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung / Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Das Projekt wurde unter der Schirmherrschaft von Außenminister Heiko Maas entwickelt.

Das Projekt wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Auswärtigen Amt.

Logo der Bundeszentrale für politische BildungLogo: Auswärtiges Amt

Logo: Forschungsinstitut Gesellschaftlicher ZusammenarbeitLogo: Zentrum für Antisemitismusforschung