Der Gang der Geschichte(n)

Narrative von Zugewanderten über Jüdinnen und Juden, die Shoa und Israel

Das Projekt untersucht Narrative über Jüdinnen und Juden, die Shoah und Israel in Herkunftsländern von Zugewanderten und den entsprechenden Communitys in Deutschland. Ziel ist es, Grundlagenwissen zu gewinnen und dieses für die politische Bildung nutzbar zu machen.

Kontakt:

Tanja Lenuweit
t.lenuweit@minor-kontor.de

Laufzeit:

01.07.2019- 31.12.2022

Facebook: DerGangderGeschichten

Weltweit existieren Narrative über Jüdinnen und Juden, das Judentum, die Shoah und Israel, die positiv wie negativ besetzt sein können. Diese Vorstellungen entstehen aus dem täglichen Zusammenleben in Gegenwart und Vergangenheit und unterliegen einem steten Wandel. Sie sind geprägt von religiösen Gegebenheiten und der jeweiligen (geo-)politischen und geografischen Lage.

In aktuellen deutschen Debatten zu Antisemitismus und (Flucht-)Migration findet diese Vielfalt an Narrativen wenig Beachtung. Häufig ist die Rede von einem „importierten“ Antisemitismus durch „muslimische Zuwanderung“. Damit wird zum einen außer Acht gelassen, wie divers die Vorstellungen zu jüdischen Menschen, zum Judentum, zur Shoah und Israel in den Herkunftsländern und bei den Zugewanderten selbst sind, zum anderen treten die hiesigen Haltungen und Narrative in den Hintergrund. Ebenso wenig eine Rolle spielen Narrative anderer, mehrheitlich nicht-muslimischer Zuwanderungsgruppen.

Zwar entsteht mit diesen Debatten auch ein neues Interesse an jüdischen Erfahrungswelten, doch bleibt es beim Sprechen über andere. Jüdische Menschen werden in ihren religiösen, kulturellen und historischen Erfahrungen wenig wahrgenommen. Es gibt trotz allem einen Mangel an Sichtbarkeit und Wissen über aktuelles jüdisches Leben in Deutschland.

Recherche und Analyse

Mit dem Fokus auf vier ausgewählten Herkunftsländern von Zugewanderten (Syrien, Polen, Marokko und Russland) soll zunächst eine fundierte Wissensbasis über Narrative zu Jüdinnen und Juden, Judentum, Shoah und Israel in diesen Ländern und in den entsprechenden Communitys von Zugewanderten in Deutschland geschaffen werden. Dabei geht es nicht nur um die Identifikation von antisemitischen Stereotypen, sondern auch um positive Bilder.

Des Weiteren gilt es zu überprüfen, welche Relevanz diese positiven wie negativen Narrative in Deutschland haben, ob und wie sie sich verändern, wie und an welche in Deutschland vorhandenen Narrative sie anknüpfen und welche Wechselwirkungen entstehen. Dabei sollen jüdische Perspektiven einbezogen werden und die Erfahrungen, Erlebniswelten und Bewertungen von Jüdinnen und Juden hinsichtlich alter und neuer Formen des Antisemitismus sichtbar gemacht werden.

Ziel des Projektes ist es, Grundlagenwissen zu gewinnen und für die politische Bildung nutzbar zu machen. Das Projekt strebt an, Expert*innen aus den jeweiligen Ländern einzubinden, um ein möglichst breites Wissen zu gewinnen, vertiefte Diskussionen zu ermöglichen und zielgruppenorientierte Bildungsmaterialien zu entwickeln.

Projektziele

Das Projekt „Der Gang der Geschichte(n) verfolgt somit vier zentrale Ziele:

1. Identifikation von Narrativen bei Neuankommenden und Zugewanderten zu Jüdinnen und Juden, Judentum, Shoa und Israel.
2. Analyse der Resonanz dieser Narrative in Deutschland und deren Wechselwirkungen mit hier vorhandenen Narrativen.
3. Sichtbarmachung der Erfahrungen und Bewertungen von jüdischen Communitys in den Herkunftsländern und in Deutschland.
4. Entwicklung von passgenauen Formaten der Politischen Bildung gegen Antisemitismus auf Basis dieser Ergebnisse unter Berücksichtigung jüdischer Perspektiven. Die zielgruppenorientierten Bildungsmaterialien sollen Multiplikator*innen unterstützen, in komplexen, multiperspektivischen und oftmals aufgeladenen Diskussionen neue Wege zu finden.

Ergebnisse

Projektbegleitend werden Veranstaltungen wie Fachaustausche, Expert*innenrunden und Workshops durchgeführt. Die Projektergebnisse werden in Form von themenspezifischen Länderprofilen und Working Papers sowie zielgruppenorientierten Bildungsmaterialien veröffentlicht.

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Heiko Maas.

Das Projekt wird gefördert von der Bundezentrale für politische Bildung und dem Auswärtigen Amt.

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