Russischsprachige Jüdinnen*Juden, Russlanddeutsche und Russinnen*Russen

Gruppenübergreifende Interviewarbeit im russophonen Deutschland

Autorin: Dr. Jonna Rock
Herausgeberin: Tanja Lenuweit oder (Hrsg.), Oktober 2022

Für das sechste Working Paper des Projekts Der Gang der Geschichte(n) führte unsere in Südslawistik promovierte Autorin Dr. Jonna Rock 18 qualitative Interviews mit nach Deutschland eingewanderten russischsprachigen Jüdinnen*Juden, Russlanddeutschen und Russinnen*Russen. Thematisiert wurden dabei ihre Haltungen zu Migration und eigenen Migrationserfahrungen, zu ihrer Religiosität, zum Zusammenleben mit Jüdinnen*Juden im Herkunftsland und in Deutschland, zu (eigenen) Diskriminierungserfahrungen und zu Israel.
Die Interviews bestätigten die Ergebnisse zu den Recherchen im Herkunftsland: Die Erinnerungskultur und das Sprechen über den Zweiten Weltkrieg waren in der Sowjetunion von anderen Narrativen geprägt als in Westeuropa und den USA, der Holocaust spielte eine untergeordnete Rolle. Die jüdischen und die russlanddeutschen Interviewten berichten auch von ihren Bemühungen, ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Minderheit in der früheren Sowjetunion möglichst zu verbergen.

Die jüdischen Interviewten gingen mit ihrem Jüdischsein in Deutschland deutlich offener um, machten dafür aber Erfahrungen mit Antisemitismus. Von Diskriminierungserfahrungen berichten die Interviewten gruppenübergreifend, teilweise aufgrund antislawischer Ressentiments, teilweise einfach durch Behörden, die beispielsweise berufliche Qualifikationen nicht anerkannten.

Die eigenen Migrationserfahrungen, auch das machen die Interviews deutlich, führen nicht unbedingt zu Solidarität mit anderen Zugewanderten. Ein Teil der Befragten fühlt sich gerade Geflüchteten gegenüber benachteiligt und/oder sieht sie als Bedrohung.

Kontakt:

Tanja Lenuweit
t.lenuweit@minor-kontor.de

Weitere Informationen:

51 Seiten

Bezugsmöglichkeiten:

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Die Publikation entstand im Rahmen des Projektes Der Gang der Geschichte(n).

Das Projekt wurde unter der Schirmherrschaft von Außenminister Heiko Maas entwickelt.

Das Projekt wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Auswärtigen Amt.

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