Von einer lokalen zu einer globalen Community. Zur jüdischen Geschichte Syriens

Working Paper I des Projekts Der Gang der Geschichte(n)

Ansar Jasim, Juli 2020

Das erste Working Paper des Projekts „Der Gang der Geschichte(n)“ entstand im Rahmen einer Auftragsrecherche zu Narrativen über Jüdinnen*Juden, Judentum, die Shoah und Israel in Syrien. Es setzt sich aus einem in zwei Kapitel gegliederten historischen Abriss und einer Chronologie zur syrisch-jüdischen Geschichte zusammen.

Das erste Kapitel thematisiert die Situation der jüdischen Minderheiten von der Zeit des Osmanischen Reichs bis zum Ende der französischen Mandatszeit. Ansar Jasim beschreibt die Vielfalt des syrischen Judentums und wirft einen Blick auf das Zusammenleben von Jüdinnen*Juden und Muslim*innen in der osmanischen Zeit: Das Leben der jüdischen Minderheiten bewegte sich in einem Spannungsverhältnis von Autonomie und Abhängigkeit. Jüdinnen*Juden waren Muslim*innen nie gleichgestellt, dennoch, so die Autorin, gab es bei aller Trennung auch viel Verbindendes, sodass sich von einer jüdisch-islamischen Tradition und einem vertrauten Miteinander sprechen lässt.

Das zweite Kapitel blickt auf die Zeit von 1947 bis heute. Die Resolution 181 der UN-Generalversammlung vom November 1947, die eine Zustimmung zum Teilungsplan für Palästina empfahl, die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und die arabisch-israelischen Kriege hatten massive Auswirkungen auf das Leben der jüdischen Minderheiten in Syrien.

So kam es bereits 1947 zu Ausschreitungen und ersten antijüdischen Beschlüssen wie beispielsweise der Entlassung von Juden aus dem öffentlichen Dienst und dem Verbot, öffentliche Ämter auszuüben.

Obwohl eine Ausreise zwischen 1948 und 1992 nicht mehr legal möglich war, gelang es vielen Jüdinnen*Juden das Land zu verlassen. Als ihnen 1992 die Ausreise – allerdings nicht nach Israel – wieder gestattet wurde, setzte die letzte große Migrationsbewegung ein. Der seit 2011 andauernde Krieg tat ein Übriges: Jüdisches Leben in Syrien ist kaum mehr existent, allein in Damaskus leben noch eine Handvoll Jüdinnen und Juden, fast alle schon fortgeschrittenen Alters. Syrisch-jüdische Communitys finden sich heute an Orten wie New York und in Israel – jüdisches Leben in Syrien selbst ist mittlerweile vor allem Geschichte und Erinnerung.

Kontakt:

Tanja Lenuweit
t.lenuweit@minor-kontor.de

Weitere Informationen:

48 Seiten

Bezugsmöglichkeiten:

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Diese Publikation wurde im Rahmen des Projektes Der Gang der Geschichte(n) veröffentlicht.

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Heiko Maas.

Das Projekt wird gefördert von der Bundezentrale für politische Bildung und dem Auswärtigen Amt.