Aufsuchende Beratung in sozialen Medien für gewaltbetroffene Frauen in Berlin

Im Projekt „Luz“ erproben und analysieren wir, wie durch aufsuchende digitale Beratung gewaltbetroffene Frauen in Berlin in den sozialen Medien erreicht und niedrigschwellige Zugänge in das bestehende Unterstützungssystem ausgebaut werden können.

Blick durch ein Dachfenster mit Regentropfen auf Dächer und einen wolkigen Himmel, durch den die Sonne scheint

Kontakt:

Anna-Elisabeth Hampel
a.hampel@minor-kontor.de

Laufzeit:

01.03.2026 – 31.12.2026

Polizeilich erfasste Fälle von häuslicher Gewalt und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben in Berlin in den vergangenen Jahren zugenommen. Die meisten Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt bleiben jedoch im Dunkelfeld. Insbesondere Frauen in vulnerablen Lebenslagen – darunter Migrantinnen, Frauen mit Behinderung, wohnungslose oder armutsbetroffene Frauen – suchen Schutz- und Beratungsstrukturen aufgrund ihrer intersektionalen Belastungssituation und Zugangshürden nicht auf. Zu diesen Zugangshürden gehören u. a. Sprachbarrieren, Unsicherheiten bezüglich des Rechts- und Unterstützungssystems und soziale und räumliche Isolation. Auch Sorgen vor negativen Konsequenzen und Abhängigkeiten von Betreuungspersonen oder Partnern betreffen Frauen in intersektionalen Belastungssituationen in besonderem Maße.

Niedrigschwelligen Zugang zum bestehenden Recht, Schutz und Beratung proaktiv zu erleichtern ist daher ein zentrales Ziel, um in Zukunft deutlich mehr gewaltbetroffene Frauen besser zu unterstützen.

Im Projekt „Luz“ erproben und analysieren wir, wie durch aufsuchende digitale Beratung gewaltbetroffene Frauen in Berlin in den sozialen Medien erreicht und niedrigschwellige Zugänge in das bestehende Unterstützungssystem ausgebaut werden können.

Aufsuchende Beratung in den sozialen Medien übersetzt den Streetwork-Ansatz in den digitalen Raum und sucht Menschen dort auf, wo sie bereits jetzt nach Rat und Unterstützung suchen: in Online-Communities, die sich in verschiedenen Social Media Spaces als wichtige und niedrigschwellige Selbsthilfestrukturen und Erstanlaufstellen etabliert haben. Digital Streetwork umfasst dabei allgemeine Erstinformationen und Orientierung zu in den Gruppen aufkommenden Fragen, Richtigstellung von Falschinformationen sowie bedarfsgerechte und passgenaue Verweisberatung für detaillierte Einzelfallberatung und die Verbreitung mehrsprachiger Informationskampagnen.

Mit der Erprobung von Digital Streetwork im Bereich Gewaltschutz wollen wir:

  • Systematisch mehr Erkenntnisse über die Bedarfe und das Informationsverhalten von in Berlin lebenden gewaltbetroffenen Frauen gewinnen, die aufgrund besonders vulnerabler Lebenslagen nicht (ausreichend) zu bestehenden Beratungs- und Schutzstrukturen finden, wobei ein besonderer Fokus auf gewaltbetroffenen Frauen mit Migrationsgeschichte liegt.
  • Die Wirksamkeit aufsuchender digitaler Beratung bei der Schaffung niedrigschwelliger Zugänge Brücken ins bestehende Unterstützungssystem durch mehrsprachige Beratung erproben. Beratungs- und Analysesprachen im Projekt sind Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Polnisch, Russisch und Spanisch.
  • Die Sichtbarkeit bestehender (analoger) Unterstützungsstrukturen erhöhen und reichweitenstark Erstinformationen zu den Themen Gewaltschutz und -prävention verbreiten.
  • Zum Empowerment und zur präventiv wirkenden Sensibilisierung von Online-Communities als ehrenamtliche Selbsthilfestrukturen und Erstanlaufstellen beitragen und diese stärker mit professionellen Strukturen vernetzen.
  • Gemeinsam mit Berliner Akteur*innen des Beratungs- und Schutzsystems Strategien und Kapazitäten zur digitalen, proaktiven Erreichung von gewaltbetroffen Frauen weiterentwickeln.

Die Projektaktivitäten umfassen daher neben der aufsuchenden digitalen Erstinformation und Verweisberatung sowie der Analyse von Bedarfen und Informationsverhalten auch die umfangreiche Vernetzung und den Erfahrungsaustausch mit Akteuren der Gewaltschutzpolitik und -praxis. Zentrale Ergebnisse werden in Kurzstudien und Praxishandreichungen veröffentlicht.

Gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.

Logo des Senatsverwaltungs für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung