Europäisches Berlin

Analyse und Modellentwicklung zur Arbeitsmarktintegration von EU-Zugewanderten

Die EU-Zuwanderung nach Berlin ist ungebrochen stark. Das Forschungsprojekt „Europäisches Berlin“ soll die jüngsten Entwicklungen dieses vielschichtigen und dynamischen Migrationsgeschehens analysieren und Handlungsoptionen für eine faire (Arbeitsmarkt-)Integration entwickeln.

Kontakt:

Marianne Kraußlach
m.krausslach@minor-kontor.de

Laufzeit:

01.07.2019 – 30.06.2022

Seit zehn Jahren ist die EU-Zuwanderung nach Berlin stark gestiegen – u. a. in Folge der 2008 ausgebrochenen Wirtschaftskrise sowie des Auslaufens der Übergangsfristen für die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Bürgerinnen und Bürger der jüngeren, mittel- und (süd-)osteuropäischen Mitgliedstaaten. Ein Drittel des Bevölkerungswachstums Berlins zwischen 2008 und 2017 ist auf den Zuzug von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern (ohne Deutsche) zurückzuführen. Das Forschungsprojekt „Europäisches Berlin“ soll den positiven Beitrag der EU-Zuwanderung zum Wachstum der Stadt, der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes analysieren und unterstützen.

Um die komplexen Auswirkungen und Potentiale der Zuwanderung aus der EU (sowie einigen weiteren europäischen Ländern) nach Berlin besser zu verstehen, werden mehrere Themen im Rahmen des Projektes genauer beleuchtet.

Zugang von EU-Zugewanderten zu Regelsystemen

Der Zugang zu Angeboten der Regelsysteme im Bereich der Bildung, Kranken- oder Rentenversicherung stellt einen zentralen Faktor für die Integration von EU-Zugewanderten dar. Minor wird untersuchen, welche Zugangsbarrieren für EU-Zugewanderte zu diesen Systemen bestehen. Dazu werden sowohl Experteninterviews und qualitative Befragungen von Zugewanderten durchgeführt. Ergänzt werden die so gewonnenen Erkenntnisse durch Analysen in den Social-Media-Gruppen von EU-Zugewanderten in Berlin sowie durch statistische Analysen sowohl von öffentlich verfügbaren Daten als auch von aus dem Jahr 2019 bereits erhobenen Daten quantitativer Befragungen von Neuzugewanderten.

Zuwanderungswege aus den Westbalkanstaaten

Spätestens seit dem Anstieg der Fluchtzuwanderung im Jahr 2015 und der Verabschiedung der sogenannten Westbalkan-Reglung (§6 Abs. 2 BeschV) stehen die Westbalkanstaaten (Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Kosovo) im verstärkten Fokus der Migrationspolitik. Im Rahmen des Projektes soll daher die Zuwanderung aus den Westbalkanstaaten nach Berlin untersucht werden. Neben der statistischen Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie öffentlich verfügbaren Meldedaten werden hierfür auch Fokusgruppeninterviews durchgeführt. Zudem findet eine Diskussionsveranstaltung mit eingewanderten Menschen aus Westbalkanstaaten und Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft und der Verwaltung statt.

Wechselwirkungen in die Herkunftsländer

Die ungebrochen starke EU-Zuwanderung nach Berlin verändert nicht nur das Gesicht der Stadt, sondern beinhaltet auch komplexe Auswirkungen in die Herkunftsländer selber. Ein umfassendes Verständnis dieser Wechselwirkung ist notwendig, um die sozialen, politischen und ökonomischen Konsequenzen der EU-Migration besser einordnen zu können. Auf der Basis von Experteninterviews, Social-Media-Analysen und Diskussionsveranstaltungen sollen diese Wechselwirkungen analysiert und vertieft diskutiert werden.

Auswirkungen des Brexit

Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU wird aller Voraussicht nach zu umfassenden Veränderungen in der politischen und ökonomischen Architektur der EU führen. Berlin als Metropole mitten in Europa könnte von diesen Veränderungen besonders betroffen sein. Im Rahmen dieses Arbeitspaketes sollen Social-Media-Analysen sowie statistische Analysen zu Wanderungszahlen dazu beitragen, die Folgen des Brexit auf die Entwicklung der Stadt, der urbanen Wirtschaft sowie die Situation der Zugewanderten aus Großbritannien besser zu verstehen.

Bleibestrategien für EU-Fachkräfte

Die Entwicklung einer langfristigen und nachhaltigen Bleibeperspektive für EU-Fachkräfte ist die zentrale Voraussetzung, damit Berlin auch in Zukunft von der EU-Zuwanderung profitieren kann. Minor wird eine zusammenfassende Analyse zur Situation der EU-Zugewanderten auf der Basis der vorherigen Arbeitspakete durchführen und Handlungsempfehlungen aufstellen.

Das Projekt wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert.