Geschichte(n) und Perspektiven

Workshop-Reihe zur Auseinandersetzung mit jüdisch-arabischen Verflechtungen

Die Workshops richten sich an Menschen mit Fluchtgeschichte aus arabisch-sprachigen Herkunftsländern. Unterschiedliche Narrative zu Jüdinnen und Juden, Judentum, Shoah und Israel werden untersucht und auf ihren Ursprung, ihre Ausdrucksformen, mögliche Funktionen und Konsequenzen hin diskutiert.

Kontakt:

Tanja Lenuweit
t.lenuweit@minor-kontor.de

Laufzeit:

15.10.2020 – 15.12.2021

Sprachen:
عربي

Wenn es um Menschen mit Fluchthintergrund aus arabischsprachigen Herkunftsländern geht, ist in aktuellen Debatten immer wieder die Rede von einem mitgebrachten Antisemitismus oder einem spezifisch „muslimischen Antisemitismus“. Dieser pauschalisierenden Unterstellung liegt die Annahme zugrunde, Menschen aus Ländern wie bspw. Syrien oder Iran, in denen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit Teil staatlicher Diskurse, Rhetoriken und Politiken sind, seien zwangsläufig antisemitisch indoktriniert.

Außeracht gelassen wird dabei, dass viele Menschen mit Fluchtgeschichte in Opposition zum herrschenden System ihres Herkunftslandes stehen und/oder einer verfolgten Minderheit angehören und von daher auch in Opposition zu staatlichen Diskursen und Erzählungen sind, diese in Frage stellen oder zumindest eine gewisse Bereitschaft zu einer kritischen Auseinandersetzung mitbringen.

Zudem existieren selbst in Ländern mit autoritären Regimen Gegenöffentlichkeiten und Gegendiskurse existieren, die offiziellen staatlichen Rhetoriken und Diskurse entgegenstehen. Die meisten der arabischsprachigen Länder weisen eine lange jüdische Geschichte und eine Zeit des muslimisch-jüdischen Zusammenlebens auf, die zumindest in Teilen positiv besetzt sind, zum kollektiven Gedächtnis gehören und teilweise sogar noch in Familiengedächtnissen abrufbar sind.

Projekt

Das Projekt besteht aus einer Workshop-Reihen, die sich an Menschen mit Fluchtgeschichte aus arabischsprachigen Ländern richtet. In den Workshops wollen wir uns mit folgenden Themenkomplexen auseinandersetzten:

  1. Jüdisch-islamische Traditionen und jüdische Geschichte arabischsprachiger Länder; Jüdinnen und Juden in arabischsprachigen Ländern heute; Othering und staatliche Ausschlusspolitiken
  2. Darstellung von Jüdinnen und Juden in arabischsprachigen Medien wie neuerer Literatur und Pop-kultur, in Filmen und Ramadan-Serien; antisemitische Verschwörungserzählungen
  3. Israel und Zionismus in staatlichen Diskursen; der arabisch-israelische Konflikt; Opferkonkurrenzen und -narrative; Verflechtungsgeschichte

Zielsetzung der Seminare

Ziel der Workshop-Reihe ist es, die Teilnehmenden bei einer kritischen und selbstreflexiven Auseinandersetzung mit Ideologie, Aufbau und Funktion und staatlicher Instrumentalisierung von Antisemitismus zu unterstützen. Wir stellen vor allem Narrative in den Mittelpunkt unserer Workshops. Es geht also nicht um die Einstellungen der Teilnehmenden, trotzdem ermöglicht dieser Zugang das kritische Hinterfragen der jeweils eigenen Narrative und somit der eigenen Haltung.

Erfahrungen, Ergebnisse, Materialien und Methoden der Workshop-Reihe werden in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert, die sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der (historisch-) politischen Bildung richtet.

Workshops

16/11/2020

Workshop: Syrisch-jüdische Geschichte(n)

Zur jüdisch-muslimischen Verflechtungsgeschichte am Beispiel Syriens

Das Projekt wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.

Logo der Berliner Landeszentrale für politische Bildung